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Edition Peters feiert Bernd Franke

Edition Peters feiert Bernd Franke

Festkonzert zum 60. Geburtstag in der Grieg-Begegnungsstätte 

Das Musikforum des MDR widmete ihm zu seinem 60. Geburtstag am 14. Januar eine kurze Hommage und der 2014 nach Leipzig zurückgekehrte Musikverlag Edition Peters ehrte ihn mit Freunden und Kollegen in der Grieg-Begegnungsstätte. Heute gehört der Komponist Bernd Franke zu den wichtigen lebenden Komponisten. Seine Biographie spiegelt, wie er das vor den Gästen mit eigenen Worten schilderte, auch die zunehmende Globalisierung der Neuen Musik Mitteleuropas.

von Roland H Dippel

 „Die Zeit ist ein Fluss ohne Ufer“. Unter dieses Motto stellte Stefan Conradi, Marketingleiter für Neue Musik, Edition Peters, nach der Begrüßung durch Katie Tearle, Direktorin Neue Musik Edition Peters, seine freundschaftliche Würdigung für Bernd Franke in der voll besetzten Grieg-Begegnungsstätte Leipzig. Dessen Komposition „Die Zeit ist ein Fluss ohne Ufer“ gehört zu einem 1985 bis 1987 entstandenen Chagall-Zyklus, wurde im September 1987 in Boston/USA durch das Ensemble ALEA III uraufgeführt und erhielt im selben Jahr auf dem ALEA III/Kucyna International Composition Competition unter 400 Einsendungen aus 28 Ländern den 1. Preis. Jetzt sind der Titel und das Opus Anlass zum heiteren Erinnern und einem optimistischen Blick in die Zukunft.

Stefan Conradi und Christian Wetzel, Professor für Oboe an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, betonen in ihren Grußworten den Einklang einer künstlerischen und menschlichen Verbindung zu Bernd Franke, die auch aus den umfangreichen musikalischen Beiträgen des Abends spricht. Franke resümiert seine zunehmende Öffnung und seine künstlerische Positionierung in der späten DDR nach dem Kompositionsstudium bei Siegfried Thiele von 1975 bis 1981. Die Auseinandersetzung mit der Wertigkeit von Heimat war ihm in seiner Jugend als Kind von aus Pommern und Breslau vertriebenen Eltern besonders wichtig. Die Wiedervereinigung eröffnete ihm neben dem Bewusstsein unbegrenzter Freiheit und ungebremster Schaffenskraft bald die Erfahrung, dass künstlerisches Schaffen von wirtschaftlichen Aspekten und anderen Begleitfaktoren beeinflusst ist. Dem Input durch John Cage und aleatorische Einflüsse in den neunziger Jahren folgte die durch ästhetische, soziale und philosophische Diskurse geprägte Öffnung in die seine Kreativität erweiternde Musik Ostasiens.

Gewandhausorchester Leipzig mit Gewndhauskapellmeister Riccardo Chailly und der Leipziger Komponist Bernd Franke

Eine beeindruckende, nicht abreißende Folge von Uraufführungen begleitet diesen künstlerischen Weg. Zu den Interpreten der Uraufführungen Bernd Frankes gehörten Riccardo Chailly, Michael Sanderling, Michael Wollny und Christian Wetzel. Das Leipziger Vokalensemble Amarcord bestätigt in seinen beiden Beiträgen die verbindende Botschaft seiner Musik. Aus dem Zyklus „Questions – If I Were Rain“ (2012) singen sie Teile auf Texte der für Bernd Franke bedeutenden Poetin Emily Dickinson und des Kultautors Khalil Gibran. Darauf erklingt „Unseen Blue“ mit einer fünften Vokalstimme anstelle des original vorgesehenen Bandoneons.

Auch eine Uraufführung gibt es, die Bernd Frankes zyklisches kompositorisches Denken fortsetzt: Christian Wetzel (Oboe) und Ya Dong (Pipa) fügen dem bereits 1997 begonnenen Zyklus „Half-Way- House – Solo Xfach“ einen neuen musikalischen Baustein dazu. Bernd Franke erweitert in diesem für unregelmäßige Erweiterungen offenen Zyklus Joseph Beuys‘ Idee einer sozialen Plastik Richtung Musik: „Solo XFach“ Er besteht aus mehreren Kammermusikstücken, deren einzelne Stimmen fast alle allein oder simultan aufführbar sind, aber ebenso gut mit mit anderen Stimmen (und Werken) des Zyklus kombiniert werden können. Stimmen der neu entstandenen Teile und bestehendes Material werden nicht durch eine Partitur koordiniert, sondern durch ein Zuspielband, das von den Interpreten des jeweiligen Abends individuell mit der eigenen Tonproduktion abgestimmt werden kann. Am 11. März 1998 fand im Grassimuseum zur Eröffnung der 7. Internationalen Triennale die (erste) Uraufführung bzw. das Gründungskonzert dieses Works in Progress statt statt. Das erste abendfüllende Konzert folgte mit einer Videoinstallation von Peters Kees 2000 auf der EXPO in Hannover. Teile kamen mit Tanz, zum Beispiel unter Mario Schröder am Theater Würzburg, zur Aufführung. Heute wird die weitere Entwicklung in einem eigenen Koordinationsbüro gebündelt und gesteuert.

Viele Personen aus dem Leipziger Musikleben und dem Umfeld der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ fanden sich ein, um den bereits seine nächste Uraufführungen vorbereitenden Komponisten und Lehrer zu beglückwünschen.


ANNOTATION

Bernd Franke – 60. Geburtstag – Festkonzert und Empfang am Montag, 21. Januar 2019 / 19.00 Uhr in der Grieg-Begegnungsstätte mit Amarcord, Christian Wetzel (Oboe) und Ya Dong (Pipa); veröffentlicht 25.1.2019

Was noch:

MDR: Der Leipziger Komponist Bernd Franke wird 60 – https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/audio-radio/bernd-franke-100.html

Koordination SOLO XFACH-Projekte: c/o Christian Wetzel, Hinrichsenstrasse 3, D-04105 Leipzig, Fon +49.341.9807951

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