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Exkursion 1: Alle Wege führen 2020 nach Zwickau (Teil 1/2) Die Zentralausstellung oder 500 Jahre Industriekultur im Schnelldurchlauf

Exkursion 1: Alle Wege führen 2020 nach Zwickau (Teil 1/2) Die Zentralausstellung oder 500 Jahre Industriekultur im Schnelldurchlauf

Ausgestattet mit Audio-Guide und Vorfreude geht es die schwarz-umhüllte Schräge hinauf. Im Ohr Hintergrundinformationen zum Bau, die aber ein wenig untergehen.

              Tipp 1: Jeder kann teilhaben.

Alles ist barrierefrei. Es gibt Leihrollstühle, Buggys und mobile Hocker, ein Blindenleitsystem und Informationen in DGS.

              Tipp 2: Eigene Kopfhörer mitnehmen.

Oben angekommen empfängt einen museal-andächtiges Schummerlicht, gebrochen nur durch einen gegenüber hängenden großen Bildschirm mit künstlerisch Verfremdungen industriekultureller Bezüge. Die Fensterschreiben sind mit grobem Pinsel dunkelgrau übermalt, von irgendwoher vernimmt man einzelne Töne. Sind es Maschinengeräusche oder werden hier die max. 200 Besucher gezählt?

Der Blick wandert umher und entdeckt gleich in der ersten Vitrine das Titelbild der Ausstellung. Rot hinterleuchtet bildet es den Ausgangspunkt von „Barock & Berggeschrey“. Man möchte den ersten Gesamteindruck gern festhalten, doch leider ist Fotografieren verboten. Was zwar nirgends so klar steht, einem aber vom zahlreich vorhandenen Aufsichtspersonal freundlich aber unmissverständlich klar gemacht wird. Auch der laut sächsisch fachsimpelnden Rentnergruppe, die kollektiv in Arbeitserinnerungen schwelgt.

Das Ausstellungskonzept erschließt sich einem trotz der Hallengröße von über 3.000 m2 recht schnell, markieren doch farbige Abstufungen der Schaukästen die Trennung der einzelnen Bereiche. Die spielerischen Titel sind klug gewählt und lassen das Gezeigte bereits erahnen. So gibt es „Barock & Berggeschrey“, „Garn & Globalisierung“, „Karl Marx & Karl May“, „Schockensöhne & Sachsenstolz“ und „Trabant & Treuhand“. Nur bei der Zukunft heißt es sachlich-nüchtern „Industriekultur 2020“…

Der Audio-Guide weist an 20 markierten Punkten vertiefend auf Fakten hin und ordnet das Gesehene in einen größeren Kontext ein. Als überraschend informativ erweisen sich die Boxen mit Erklärungen für Menschen mit Beeinträchtigungen.

              Tipp 3: Texte für Sehbehinderte und in leichter Sprache anhören.

Manches lässt sich sogar ganz handfest begreifen, etwa beim Zuordnen von Erzen zu Produkten oder beim Tippen auf einer alten Schreibmaschine. Da hört man dann oft die Kinderfrage: „Wie geht das hier?“ Und ist das Papier erst einmal eingelegt, sind sie mit Eifer dabei.

              Tipp 4: Zweihandprüfer ausprobieren.

Es sind wohltuende Ausnahmen in einer sonst zwar sehr gut strukturierten aber eben auch sehr erwachsenen Ausstellung. Manche Interaktionen müssen der Hygiene geschuldet unberührt bleiben.

Der Weg durch die Jahrhunderte ist dabei nicht streng chronologisch. Da die 6 dezentralen Schauplätze genügend Authentizität bieten, kann sich die Zentralausstellung großzügig den Themen ringsum widmen. Es geht um Arbeitsbedingungen, körperliche Unversehrtheit und Technikglauben. Aber auch um Zwangsarbeit, ideologische Verbrämung und gesellschaftliche Umwälzungen. Selbst Umweltschutz bzw. die Dokumentation von Umwelteinflüssen der Industrie werden thematisiert.

Die gezeigten Objekte reichen von klein bis groß, von Plakat bis Malimo-Webstuhl. Auch Gemälde und Handpuppen sind darunter. Die Digedags sind an überraschender Stelle ebenfalls zu finden.

              Tipp 5: Die Karikatur „Die Besteigung der Barbarine im Jahr 1920“ studieren.

Am Ende erreicht man den Bereich ‚Industriekultur 2020‘, der sich rein optisch vom Rest des Raumes unterscheidet. Hier stehen in hellerem Licht mehrere große Stelen mit Bildschirmen, auf denen Universitätsprofessoren, Künstler oder Unternehmer ihre Positionen zu Schlagworten wie Innovation oder Vision darlegen.

              Tipp 6: Audio-Guide zum automatischen Anhören einfach anlassen.

Das Gesagte regt zum Nachdenken an. Genau wie die vielen umgebenden Grafiken, die die Veränderungen in Sachsen in den vergangenen 30 Jahren aufzeigen. Das stellt sich einem unweigerlich die Fragen: „Wird es eine Industrie(kultur) auch im Jahr 2120 noch geben?“ und „Wie könnte sie aussehen?“.

Noch mit einer Antwort beschäftigt hängt man seinen Audio-Guide an den Haken und folgt einer schier endlosen schwarzverkleideten Tunnelrampe nach unten.

An deren Ende landet man in einem futuristisch hell beleuchteten Keller des Gebäudes und ist mittendrin in der nahen Zukunft der sächsischen Industrie- und Hochschullandschaft. F.I.T. for future heißt dieser Bereich, in dem man sich in wiederum farblich getrennten Bereichen mit den unterschiedlichen innovativen Produkten und Ideen befassen kann.

              Tipp 7: Für den Ton zum Bild auf die Symbole im Fußboden stellen.

Außerdem gibt es hier unten Workshopräume, Mitmachlabore und vieles mehr. Es ist schade, dass vieles davon derzeit nur eingeschränkt genutzt werden darf. Schade für die wichtigen Zukunftsthemen ist aber auch, dass man sich nach 500 Jahren Industriekultur im Schnelldurchlauf der Gegenwart und unmittelbaren Zukunft nur bedingt stellen kann.

              Tipp 8: Kombiticket kaufen und (mehrmals) wiederkommen.

Sowohl Kopf als auch Füße verlangen nach einer Pause. Aber auch die kann man gleich hier unten sehr gut verbringen.

Tipp 9: Katalog in der Ausstellung erwerben.

              Tipp 10: Aktionskarte am Ausgang mitnehmen und Boom.-Ticket in Zwickau und Umgebung in weiteren Museen für ermäßigten Eintritt nutzen.

Und nach kurzer Erholung geht’s gleich nebenan weiter mit AutoBoom. Im Horch-Museum.

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Anreise: mit S5/S5X bis Zwickau Hbf., ab Bahnhofsvorplatz Bus 10 alle 15 Minuten, Haltestelle August-Horch-Museum

Öffnungszeiten: täglich (!) 10-18 Uhr

Eintritt: 10 EUR / 7 EUR – Tageskarte gilt für kostenlose Nutzung des gesamten ÖPNV im Verkehrsverbund Mittelsachsen an diesem Tag, Rabatt von 25% jeweils einmal in jeder  Schauplatzausstellung | Kombikarte: 40 EUR / 20 EUR, immer freier Eintritt in ZA und Schauplatzausstellungen (außer Freiberg)

Informationen: Zentralausstellung | 4. Sächsische Landesausstellung

Kombinationsmöglichkeiten:

  • Zwickau: AutoBoom. (Gebäude nebenan)
  • Zwickau: Museen (Bus 10 stadteinwärts; Bonusflyer für ermäßigten Eintritt nutzen)
  • Crimmitschau: TextilBoom. (Mi-So 10-17, Führungen 11 + 14 (Anmeldung unter 03762-931939))
  • Werdau: Stadt- und Dampfmaschinenmuseum (So-Do 10-16, Bonusflyer nutzen, Weiterreise z.B. wochentags Schulzeit à 13:42 Bus 10 bis Zwickau Hbf., 14:04 S5X Richtung Halle/S. (Gleis 3), Fußweg bergab bis Holzstraße 2 (ca. 15‘))

Credits

Fotos: moritzpress/Chr.Scheel

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