Home | Ausstellungen | „Gezeiten“ – Constanze Zorn und Gunter Böttger – Ausstellung im Erdgeschoss der Alten Börse auf dem MDR-Gelände
„Gezeiten“ – Constanze Zorn und Gunter Böttger – Ausstellung im Erdgeschoss der Alten Börse auf dem MDR-Gelände

„Gezeiten“ – Constanze Zorn und Gunter Böttger – Ausstellung im Erdgeschoss der Alten Börse auf dem MDR-Gelände

gezeiten

Ausstellung „Gezeiten“ zeigt Malerei und Zeichnungen von Constanze Zorn und Radierungen von Gunter Böttger im Erdgeschoss der Alten Börse auf dem MDR-Gelände in Leipzig noch bis zum 5. Juni 2014.

Constanze Zorn und Gunter Böttger – Künstler- und Lebenspaar – arbeiten selbständig an ihren Werken, sind sich jedoch gegenseitig erste und vielleicht strengste Kritiker. Sie setzten sich im positiven Sinne auseinander, geben sich Halt und sind sich Motor. In ihrer Ausstellung „Gezeiten“ stellen sie Werke der letzten Jahre vor. Die ältesten sind sieben Jahre alt, die jüngsten stammen aus 2014. Während Constanze Zorn Acrylmalereien auf Leinwand und Zeichnungen präsentiert, zeigt Gunter Böttger Radierungen und eine Alu-Ätzung.

Constanze Zorn nahm aus ihrer Ausbildung an der Leipziger Kunsthochschule auch die Liebe zu literarischen Schriften und dem Buch mit. So hat sie einige eigene Texte als selbstillustrierte und gestaltete Künstlerbücher herausgegeben. Ihre Harmonie in der Wahl der Formate, der Papiersorten, deren Qualitäten, der Schriftarten und -größen sowie ihr Finden von stimmigen, handgestalteten Einbänden ließen Constanze Zorn feine Kleinode der Buchkunst schaffen. Ihre Hauptarbeitsfelder sind jedoch die Acrylmalereien auf Leinwand und Papieren, sowie Tusche- und Farbstiftzeichnungen. Constanze Zorn ist dabei eine Malerin und Grafikerin, die ihre Arbeiten nicht vorplant und nach Entwürfen oder Fotografien zeichnet. Sie entwickelt diese im Entstehungsprozess im Atelier auf der Staffelei. Sie sagt: „mit jedem neuen Blatt Papier, mit jeder neuen Leinwand, begebe ich mich auf ein neues Terrain, begebe ich mich immer wieder von Neuem auf den Weg zur Welt, zu mir selbst und zu Gefühlen wie auch Tönen, die sich nicht allein in Worte fassen lassen“. Ein wichtiges Anliegen, ja oft Antrieb für ihr künstlerisches Tun sind Gegensätze und Spannungen im seelischen wie im äußeren Geschehen der Welt. Malerisch und zeichnerisch findet sie Bilder wie auch Gleichnisse für das Zerissensein, das aus dem Fugen-Geratene, für Ungleichgewichte. Mit feinen Linien und Farbtönen, mit Farbfeldern und Kontrasten lockt sie den Betrachter in die nur scheinbar fiktive Welt ihrer Bilder. Es geht tatsächlich immer um Empfindungen und Daseinsmomente des Menschen, obwohl dieser selbst, also rein figürlich, so gut wie nie in den Arbeiten von Constanze Zorn auftaucht. Er steht parabelhaft darin und dahinter.

Gunter Böttger studierte ebenfalls an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Die Liebe zur Literatur, vor allem zur Lyrik, prägt viele seiner Arbeiten. Er schuf Illustrationen – unter anderem für Werke von Gabriel Garcia Marquez, Emile Zola oder Johann Wolfgang von Goethe. Die Radierung ist seine Kernsubstanz im künstlerischen Schaffen. Er ist ein Könner im Umgang mit den Radiernadeln, den Aluminium- und Zinkplatten, mit Tief-, Flach- und Strichätzungen, mit der Aquatinta, der Ausspreng- und der Vernis-mous-Technik sowie des Experimentierens in der alten „Schwarzen Kunst“, die bei ihm so selten tatsächlich schwarz ist. Mit Kenntnis und Raffinesse ritzt und ätzt er seine Bildideen ins Metall, druckt und presst sie in mehreren Farben selbst an einer alten ehrwürdigen Grafikpresse im Atelier. Gunter Böttger komponiert Bilder zu unserem Unterwegssein in der Welt. Er ist ein Stadtmensch – die Motive seiner Kunst sind aber vor allem Landschaften. Meist zeigt er offene und weite Räume, erfundene. Sie sind also nicht geografisch zu orten, sondern zeigen metaphernhaft Räume, die den Lebensweg illustrieren. Deswegen sind sie bisweilen stürmisch bewegt, ein andermal ruhig oder auch einsam, tief und unheimlich, dann wiederum angereichert mit kreatürlichem Leben. Gunter Böttger geht es auch darum, dass der Betrachter in seinen Bildern wandern und immer wieder Neues entdecken kann. So sind die Darstellungen nie abstrakt; auch der Mensch tritt figürlich in die Werke ein. Es gibt mehrere Ebenen, die sich überschneiden – mit Motiven, die Bewegung und Dramatik verkörpern wie auch landschaftliche Assoziationen hervorrufen oder Landschaften, die auch scheinbar Geheimnisse in sich bergen.

Christine Dorothea Hölzig

Scroll To Top