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Auf seiner Werkschau zum 80. Geburtstag macht sich Rolf Kuhrt Gedanken über Johannes R. Becher

Auf seiner Werkschau zum 80. Geburtstag macht sich Rolf Kuhrt Gedanken über Johannes R. Becher

einladungskarteRolf Kuhrt und ich, wir haben etwas gemeinsam: In unseren Bücherregalen steht oben ganz links Johannes R. Becher. Und wird – bei mir jedenfalls – dort auch seinen Platz behalten. Man kann nicht alles ausräumen. Große Teile von Johannes R. Bechers Lyrik zum Beispiel … aber das ist ein anderes Thema. Kuhrt jedenfalls greift in scheinbar großer Vertrautheit auf den Dichter Becher zurück.

In seinem Statement anläßlich der Eröffnung der ihn zum 80. Geburtstag ehrenden Werkschau in der Aula der Alten Handelsschule sprach Rolf Kuhrt nicht über sich oder seine Lehrer oder seine Familie oder etwas ähnlich Erwartbares. Er steigt ohne Vorwärmzeit sofort in den Ring und landet den ersten Treffer voll auf dem Schwachpunkt einer anderen Schule in Leipzig. Dieser warf der Jubilar hochgradiges Versagen in der Ausbildung vor, weil sie keine gescheite Grundausbildung mehr anbiete.

Zum Geburtstag wünschte sich der ehemalige Lehrer, dass seine HGB, die sich bildende Kunst nenne, auch wieder bildende Kunst unterrichten möge. Der Fachunterricht werde seiner Wahrnehmung nach vernachlässigt. Punkt. Es ist das Vorrecht der Älteren, so deutlich werden zu dürfen.

img_20161028_181352Deutlich wird in der von Barbara Röhner betreuten Ausstellung, dass es sich der Künstler Rolf Kuhrt leisten kann, deutlich werden zu dürfen. Aus seinem umfangreichen Œuvre präsentiert die Schau eine Auswahl aus fünf Jahrzehnten künstlerischen Schaffens. Der Einladungstext erklärt uns: „Darunter befinden sich auch Werke, die bislang noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich waren. Weithin bekannt sind vor allem Rolf Kuhrts stark linienbetonte Arbeiten mit expressiver Ausdruckskraft.

img_20161028_181759Weniger kennt man hingegen seine Werke emotionaler Farbigkeit und filigraner Beschaffenheit. Auch seine skulpturalen Werke strahlen sowohl Kraft als auch Gebrechlichkeit aus.“
Rolf Kuhrt studierte er an der HGB Leipzig unter dem Einfluss von Elisabeth Voigt, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Albert Kapr und Irmgard Horlbeck-Kappler. Als Dozent von 1969 bis 1980 und anschließend als Professor und Leiter der Fachklasse für Grafik und Illustration ist Kuhrts Schaffen untrennbar mit der künstlerischen Entwicklung an der HGB verbunden, welche unter der Bezeichnung „Leipziger Schule“ international Verbreitung fand.

Moritz Jähnig

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Rolf Kuhrt – Werkschau zum 80. –
Zeichnung, Grafik, Malerei, Skulptur, Plastik

Ort: Alte Handelsschule, Aula, 2. OG
Gießerstr. 75 | 04229 Leipzig

Geöffnet bis 26.11.2016
Mo-Do: 9-11.30 Uhr und nach Vereinbarung
E-Mail: info@arsavanti.de
Internet: www.arsavanti.de

Turm zu Babel

Das ist der Turm von Babel,

Er spricht in allen Zungen.

Der Kain erschlägt den Abel

Und wird als Gott besungen.

 

Er will mit seinem Turme

Wohl in den Himmel steigen

Und will vor keinem Sturme,

Der ihn umstürmt, sich neigen.

 

Gerüchte aber schwirren,

Die Wahrheit wird verschwiegen.

Die Herzen sich verwirren –

So hoch sind wir gestiegen!

 

Das Wort wird zur Vokabel,

Um sinnlos zu verhallen.

Es wird der Turm zu Babel,

Im Sturz zu nichts zerfallen.

Johannes R. Becher

aus: Hans Mayer, Der Tum von Babel. Erinnerung an eine Deutsche Demokratische Republik. Frankfurt 1991

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